Hilfen für Flüchtlinge brauchen Koordination

Gemeinsame Presserklärung des AMIF-Netzwerks Asyl in Schleswig-Holstein:

Menschen das Ankommen in Deutschland zu erleichtern, darum bemüht sich das AMIF-Netzwerkprojekt. Der aus EU-Mitteln gespeiste und durch das Land SH kofinanzierte Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds will mit untereinander vernetzten Einzelprojekten unterschiedlicher Träger die Aufnahme- und Willkommensbedingungen für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein verbessern.

Deutschland ist ein gut funktionierender Staat, in dem es scheinbar für jedes Lebensproblem eine Lösung gibt. Die Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, bringen ganz eigene Probleme mit. Doch die möglichen Lösungen und deren Instrumente sind für die Flüchtlinge oftmals nicht erreichbar, weil sie diese nicht kennen oder sie die Sprache nicht sprechen.

„Es kommen Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten zu uns. Sie wissen nicht wie Deutschland funktioniert, sprechen die Sprache nicht, sind vielleicht krank und behandlungsbedürftig. Oftmals gibt es für ein Problem eine Lösung, dann müssen wir den Flüchtlingen den Weg dorthin aufzeigen. Manchmal gibt es bisher keine Angebote, dann müssen wir diese schaffen. Und manchmal scheitert eine Lösung, weil die Menschen in Institutionen und Ämtern nicht vorbereitet sind“ so Krystyna Michalski, Netzwerkkoordinatorin im AMIF-Projekt.

Das AMIF-Netzwerk soll der Verbesserung der Willkommens- und Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein dienen. Es besteht aus der Netzwerkkoordination und drei Teilprojekten, in denen mehrere Akteure mit unterschiedlichen Zielsetzungen eingebunden sind. Damit aus den verschiedenen Aktivitäten ein stimmiges Gesamtprojekt wird, haben der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein und das Diakonische Werk Schleswig-Holstein die Koordination übernommen.

Zu den Aktivitäten der Netzwerkkoordination zählt, Gesellschaft und Institutionen auf ihre Aufgaben bei der Flüchtlingsaufnahme vorzubereiten. Sowohl Verwaltungen wie die Zivilgesellschaft sind noch nicht ausreichend dafür aufgestellt. Durch Öffentlichkeitsarbeit und Fachveranstaltungen wird über die Lebenssituation von Flüchtlingen und Fluchtursachen informiert. Weiterer zentraler Ansatz ist die Vernetzung der Kooperationspartner im Netzwerk.

Das Teilprojekt „Wegbereiter – Wegbegleiter: Strukturverbesserung für Flüchtlinge und vulnerable Personen in Schleswig-Holstein“ des Diakonisches Werks Altholstein GmbH wendet sich direkt an die Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster. Die Asylsuchenden erhalten u.a. eine Erstorientierung sowie Informationen über das Asylverfahren. „Dabei vermitteln wir auch erste, basale Deutschsprachkenntnisse im Rahmen unseres regelmäßigen Cafébetriebes. Durch den direkten Kontakt können darüber hinaus besonders schutzbedürftige Personen identifiziert und beraten werden“, so
Michael Frenzel von der Diakonie Altholstein.

Das Teilprojekt „Dezentrale Flüchtlingshilfe – Information, Orientierung, Qualifizierung“ des Flüchtlingsrats Schleswig-Holstein e. V. hat die ehrenamtliche Hilfe vor Ort im Blick. Regionale Initiativen für Flüchtlinge sollen in ihren Strukturen und Möglichkeiten gestärkt werden. „Ohne das ehrenamtliche Engagement vor Ort geht es nicht. Wir stärken die Strukturen dieser Initiativen und vermitteln Grundlagenwissen etwa über Fluchtursachen und Aufenthaltsrecht“, so Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat.

Das Teilprojekt „Strukturverbesserung zur psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen in Schleswig-Holstein“ beim PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein e.V. kümmert sich speziell um die Verbesserung der Behandlung traumatisierter Flüchtlinge. Fachkräfte in den Regeldiensten des Gesundheitswesens und der Sozialen Arbeit werden im Rahmen von Schulungen für die Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen qualifiziert. Zusätzlich werden in allen Landkreisen Runde Tische – Regionale Netzwerke initiiert, die sich mit dem Thema Trauma und Flucht befassen. Thema ist auch die Interkulturelle Öffnung bei allen Akteuren.

„Alle Teilprojekte im AMIF sind gut und wichtig – allerdings viel zu gering bemessen“, so Krystyna Michalski vom PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband. „Das Konzept für den aktuellen Projektzeitraum wurde Mitte letzten Jahres entworfen und basiert auf den Zahlen von 2013 und 2014. Seitdem sind die Flüchtlingszahlen in Schleswig-Holstein auf das Achtfache gestiegen.

Kamen 2014 rund 7.500 Menschen als Flüchtlinge, werden es 2015 voraussichtlich 60.000 sein. Und aus einer Erstaufnahmeeinrichtung sind mittlerweile 14 geworden.“ Doch die Netzwerkkoordinatoren beklagen nicht nur zu geringe Projektmittel: Die aktuelle Änderung des Asylgesetzes im Oktober verändert die Lage der Asylsuchenden und hat erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit im AMIF-Netzwerk. Asylsuchende müssen demnach sechs Monate in den Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben. „Das Asylbeschleunigungsgesetz hat wesentliche Verschärfungen formuliert, die die Flüchtlinge in Schleswig-Holstein vor neue Herausforderungen stellt. Die teils gravierenden Folgen werden wir in den Teilprojekten kritisch begleiten“, so die NetzwerkkoordinatorInnen Michalski vom Paritätischen und Kratz-Hinrichsen von der Diakonie.

Kontakt zur Netzwerkkordination: